Montag, 23. März 2015

Antje Herden "Letzten Mittwoch habe ich die Zukunft befreit" (Rezension)

Titel: Letzten Mittwoch habe ich die Zukunft befreit
Autorin: Antje Herden
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Tulipan
Preis: ca.12,95€





INHALT
Sandro, Tilda und Kurt fühlen sich in der Weltretter-Rolle gefangen und somit sieht es auch ihr neustes Abenteuer wieder vor, dass sie dafür sorgen müssen, dass die Erde nicht im Chaos versinkt. Schließlich scheint das Gleichgewicht zwischen Raum und Zeit durch die bösen Machenschaften des Mr.Baker auseinander zu brechen. Hilfe bekommen Sie bei diesem schwierigen Unterfangen von dem mysteriösen Mr.Hobbes. Wird es Ihnen gelingen wieder Ordnung in das Raum-und Zeitgefüge zu bringen oder bringen sie es stattdessen noch mehr durcheinander?

CHARAKTERE
Die Figuren in dem Buch sind alle unterschiedlich und damit auch gut ausseinander zu halten. Man bekommt schnell ein Gefühl für die Eigenarten der Charaktere. Allerdings wirkte Sandro mir an manchen Stellen persönlich ein wenig zu erwachsen für sein Alter. Dagegen empfand ich Tilda als etwas zu albern und anstrengend in ihrer Ausdrucksweise. So erfindet sie beispielsweise gerne auch mal neue Schimpfworte. Ob man dies mag oder nicht ist aber wohl auch eine Geschmacksache, weshalb ich dies nicht unbedingt als negative Kritik anmerken würde.

DAS THEMA TOLERANZ
Hier möchte ich ein Lob aussprechen. Die Autorin schafft es wirklich gut auf das Thema "Andersartigkeit" einzugehen. So wird beispielsweise gleich bei der Ankunft der Kinder im Jahr 1895 auf die Gefangenschaft von Oscar Wilde eingegangen. Dieser saß zu dieser Zeit wegen seiner Homosexualität im Gefängnis. Die Kinder verstehen diese Strafe nicht und antworten auf die Aussage, dass Mr.Wilde Männer liebte nur mit "Na und?" So wird in einer kleinen beiläufigen Szene offen mit diesem Thema umgegangen.
Des Weiteren finden sich die Kinder in einer Freakshow wieder. Hier treffen Sie auf von oben bis unten tattoowierte Menschen, die für viele genau wegen diesem Aussehen als abschreckend wahrgenommen werden. Allerdings merken die Kinder schnell, dass sie es hier mit wirklich netten und freundlichen Menschen zu tun haben und das Äußerlichkeiten fast gar nichts über eine Person aussagen.

RECHERCHE
Die Autorin hat hier gut recherchiert und viele Informationen über diese Zeit herausgefunden und in ihrem Roman eingeflochten. Allerdings erscheint mir die Beschreibung des viktorianischen Londons teilweise auch etwas zu düster für Kinder. Natürlich ist es nahezu unmöglich dieses Zeitalter ohne Schattenseiten zu beschreiben, da diese leider überwogen haben. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass auch ein paar mehr positive Seiten dieser Zeit aufgezeigt werden. Genug Material gibt es auch da.
Zudem wurden meiner Meinung nach zu viele wahre Daten und Fakten einfach nur beiläufig erwähnt, ohne das nähere Erklärungen folgten oder nochmals darauf eingegangen wird. Die Morde des Jack the Ripper werden genauso wie die Romane von Sir Arthur Conan Doyle und seine Sherlock Holmes-Geschichten nur nebenbei kurz erwähnt, wodurch zwar viele Informationen in dem Roman untergebracht wurden, jedoch mit wenig Spielraum für ein genaueres Bild. Somit denke ich, dass ein Kind, das sich nicht zwangläufig schon ein wenig mit den im Roman genannten Fakten und Personen beschäftigt hat danach nur wenig davon noch im Gedächtnis behalten wird. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen. Stattdessen hätte man einige wissenswerte Informationen an geeigneter Stelle wiederholen sollen. Positiv ist jedoch die bildhafte Atmosphäre, die einen guten ersten Gesamteindruck des Victorian Age bietet. Die schlechten Hygienebedingen, wie auch der Gestank aus den Gassen werden gut beschrieben.

FAZIT
Ein abenteuerliches Kinderbuch mit ein paar Stärken und Schwächen. Ich würde dieses Buch nicht unbedingt einem Kind zum alleinigen Lesen geben, da dieses Buch sehr viele Fragen über das Victorian Age aufwirft. Wenn jedoch ein Elternteil diese Geschichte mit seinem Kind gemeinsam liest, kann man sich dazwischen genug Pausen gönnen um über das Gelesene zu reden. Schließlich werden auch einige unschöne Dinge wie die Morde des Jack the Ripper oder der Tod von Sandros' Vater durch einen Tumor angedeudet. Auch wenn darauf nicht ins Detail eingegangen wird, sollte man überlegen, ob man dies seinem Kind bereits zumuten kann. An dieser Stelle könnte ich ein Mindestalter für das Lesen dieses Buch vorschlagen, möchte ich aber nicht. Schließlich ist jedes Kind, unabhängig vom Alter, anders. Nicht allzu sensible Kinder können jedoch jede Menge Spaß an diesem Buch haben. 

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