Montag, 23. März 2015

Paulo Coelho "Veronika beschließt zu sterben" (Rezension)

Titel: Veronika beschließt zu sterben
Originaltitel: Veronika Decide Morrer
Autor: Paulo Coelho
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Diogenes
Preis: ca.9,90€

 

 

 INHALT:

Zunächst hat es den Anschein, dass Veronika eine ganz normale Frau sei. Sie lebt ein normales Leben, hat einen guten Job, Freunde und nicht einmal eine schlechte Aussicht im Hinblick auf die Zukunft. Dennoch empfindet sie ihr Leben als zu gleichförmig, unspannend und beschäftigt sich viel mit den Gedanken daran, dass es im Alter eigentlich nur noch schlechter, statt besser werden kann. Sie beschließt daher sich mit einer Überdosis Schlaftabletten umzubringen, überlebt diesen Versuch jedoch und findet sich wenig später in einer Nervenheilklinik wieder. Hier wird ihr diagnostiziert, dass sie durch ihren Suizidversuch einen schweren Herzfehler erlitten hat und tatsächlich nicht mehr lange zu leben hat. Erst nimmt sie diesen Befund gleichgültig hin, doch dann ändert sich ihr Gemütszustand von Tag zu Tag...

MEINUNG:

Ich hatte zuvor den Film gesehen und mich sofort in ihn verliebt. Die Geschichte wird darin spannend und auch etwas philosophisch erzählt, ohne jedoch jemals zu übertrieben dramatisch oder kitschig anzumuten. Auch lässt der Film jede Menge Platz für eigene Gedanken und Gefühle, sodass dieser Film nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Zwar schlägt es eine eher ruhigere Grundstimmung an, aber wirkt dafür lebensnaher und realistischer als viele andere Filme, die in diese Richtung gehen.

Normalerweise lese ich keine Bücher, wenn ich bereits die Verfilmung kenne, aber hier war ich neugierig. Allerdings wurde ich doch mehr als enttäuscht. Den Charme, den der Film rüber brachte, fehlte dem Roman komplett. Alles wirkte auf mich etwas lieblos erzählt. Auch kam es mir vor, als hätte der Autor sich nicht wirklich mit den beschriebenen psychischen Problemen auseinander gesetzt. Alles wirkte etwas distanziert. Vielleicht irre ich mich, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als wüsste Paulo Coelho nicht wirklich etwas über die Gedanken und Gefühle, die er dort beschreibt - als hätte er eigentlich keinen realen Bezug zu der Thematik und könnte sich nicht dort hinein versetzen. Dabei heißt es laut seiner Biografie, dass er selber in der Vergangenheit Patient in einer Klinik war. Da hätte ich eigentlich erwartet, dass er an das Thema tiefgründiger und feinfühliger heran geht. Einfach anders. Auch mochte ich es nicht besonders, dass der Autor sich selbst immer wieder in die Handlung integrierte. Das störte den Lesefluss. Hätte ich das Buch zuerst gelesen, hätte ich um den Film wohl einen großen Bogen gemacht. So bin ich doch froh es anders herum gemacht zu haben.

FAZIT:

An sich eine wunderschöne und tragische Geschichte, die mich in der filmischen Umsetzung jedoch sehr viel mehr überzeugte. Der Roman wirkte im Gegensatz zum Film doch leider oftmals realitätsfern und oberflächlich. Sehr, sehr schade.

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