Montag, 23. März 2015

Ute Aland "Die Gottesversprecher" (Rezension)

Titel: Die Gottesversprecher
Autorin: Ute Aland
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Brunnen
Preis: ca.14,99€

 

 

 

INHALT:

Die junge Mediengestalterin Sara hat als ehemaliges Gemeindekind genug von den üblichen, langweiligen Gottesdiensten. Erst als sie den Predigten des geistlichen Leiters Dan lauscht, fühlt sie sich in ihrer zerrissenen Glaubensvorstellung verstanden. Endlich hat sie das Gefühl ihr Leben würde eine glückliche und vor allem durch Gott erfüllte Wendung nehmen. Sie vertraut Dan blind. Das ihr Leben dabei jedoch komplett aus den Fugen gerät merkt sie erst, als es bereits zu spät ist.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird aus Saras' Sicht (Ich-Perspektive) geschrieben, wodurch man einen direkten Bezug zu ihren Gefühlen und ihrer Gedankenwelt bekommt. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, aber flüssig zu lesen.

MEINUNG:

Ein Buch über geistlichen Missbrauch zu schreiben ist nicht einfach. Ein Buch über dieses Thema zu lesen jedoch auch nicht. Das Buch ist kein locker-leichtes Lesevergnügen, doch das sollte es auch gar nicht sein und hatte ich auch nicht erwartet.  Der Roman entwickelt mit der Zeit einen Sog, sodass jede Seite nur noch beklemmend wirkt. Man erwischt sich ständig dabei wie man alle Beteiligten von Dans' kleiner Gruppe wach rütteln will und sie der Realität ins Auge blicken lassen will. Schnell wird jedoch auch klar, dass Dan das Denken und Handeln seiner "Schäfchen" so sehr manipuliert das ein Durchdringen von anderer Seite kaum möglich ist. Der Roman ist spannend und fesselnd. Allerdings wurde mir Saras' Kehrtwendung vom skeptischen, ehemaligen Gemeindekind, das von Religion eigentlich nichts mehr hören will zum Mitglied einer charismatischen Sekte etwas zu schwammig beschrieben. Ich hätte mir da ein paar mehr Zweifel zwischenzeitlich gewünscht. So wirkt sie mir im Bezug auf das Vertrauen zu Dan etwas zu blind und gutgläubig, obwohl sie doch anfangs gar nicht so beschrieben wurde. Sicher hat man hier einige Zeitsprünge gemacht, um die Handlung nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, aber gerade zu Beginn hätte ich gerne mehr darüber erfahren wie sie langsam immer mehr in einen Teufelskreis gerät. Auch das Ende wirkte dann etwas zu zügig abgehandelt. Über Dans' Motivation andere psychisch an den Rand des Wahnsinns zu treiben erfährt man nichts. Natürlich ist diese Seite womöglich auch fast noch schwerer zu schreiben, als die Sicht des Missbrauchsopfer., Wer kann diese Sichtweise schon nachvollziehen? Dennoch wäre es interessant gewesen auch über Dan mehr zu erfahren. So bleiben einem bis zum Ende nur vage Vermutungen über das WARUM, WESHALB, WIESO? Dennoch werte ich diese Sache jetzt nicht als negativ, sondern wollte es nur als Gedanken anmerken, der mir während des Lesens noch durch den Kopf ging.

LESEEMPFEHLUNG:

Ein Roman, der Missbrauchsopfern sicher Mut geben kann Vergangenes zu verarbeiten oder auch dazu verhelfen kann den Mut zu finden aus ähnlichen Situationen auszubrechen. Aber nicht nur. Man sollte jedoch über die oben genannten Mängel hinweg sehen können und sich auf dieses Buch auch einlassen können.

FAZIT:

Ein beklemmendes Buch über ein schwieriges Thema. Trotz einiger Mängel kann ich das Buch weiter empfehlen. Der Anfang hätte Raum für mehr Erklärungen oder Details gehabt. Auch das Ende konnte mich nur halbwegs überzeugen. Dennoch schafft es die Autorin meistens gut die Atmosphäre packend, sowie auch emotional aufrüttelnd zu erzählen. Am Schreibstil an sich kann ich daher eigentlich nicht viel meckern.

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