Mittwoch, 9. März 2016

Renée Ahdieh "Zorn und Morgenröte (1)" (Rezension)

Titel: Zorn und Morgenröte
Original-Titel: The Wrath and the Dawn
Autorin: Renée Ahdieh
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe)
Preis (Buch): 16,99 €
Preis (ebook): 12,99 €



 

INHALT: 
Ganz Chorasan ist in Aufruhr. Jeden Tag heiratet der Kalif Chalid ein anderes Mädchen, nur um sie am nächsten Morgen hinrichten zu lassen. Eines seiner Opfer war Shiva - die beste Freundin von Shahrzad. Um ihren Tod zu rächen, meldet sich Shahrzad freiwillig als Braut. Noch am Abend beginnt sie dem Kalifen eine Geschichte zu erzählen und bekommt einen Tag Aufschub. Nur lernt sie mit der Zeit Chalid besser kennen und erhascht einen Blick hinter seine kühle Maske. Wird sie es dennoch schaffen ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen und ihn umbringen? Oder wird sie am Ende sogar mit ihrem Leben bezahlen?


MEINE MEINUNG: 
Was. War. Denn. Das???
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu sehr für meine doch eher vernichtende Kritik gehasst werde. All denjenigen, die von diesem Buch noch nicht gehört haben, möchte ich an dieser Stelle sagen, dass "Zorn und Morgenröte" bisher eigentlich überwiegend sehr positiv ankommt. Negative Äußerungen dazu findet man nur vereinzelt. Mir jedenfalls hat der Roman überhaupt nicht gefallen.
Eigentlich habe ich mir auch angewöhnt nicht mehr mit irgendeiner Erwartungshaltung an ein Buch heran zu gehen, doch der Klappentext klang derart vielversprechend, sodass mein Kopfkino gleich angeschaltet wurde. Ich war neugierig was aus dieser Grundidee gemacht wurde. Zu Beginn war ich auch eigentlich der Meinung, dass man eine so gute Vorraussetzung für eine Geschichte zumindest nicht komplett gegen die Wand fahren kann. Allerdings lag ich da wohl falsch. Diagnose: Totalschaden.


Die Geschichte fing noch recht ansprechend an, auch wenn ich den Schreibstil teilweise doch etwas zu blumig fand. Nahezu alles wird hier mit Metaphern untermauert und nicht alle davon sind wirklich gut gewählt. Hin und wieder hat das Buch aber auch Momente, bei der genau dieser spezielle Stil passend ist. Shahrzad (kurz Shazi) bricht zu Beginn des Buches auf um den Tod ihrer besten Freundin Shiva zu rächen. Allerdings muss sie dafür in den sauren Apfel beißen und den Kalifen Chalid heiraten, der für die Hinrichtung ihrer Freundin verantwortlich ist. Nur vergisst die liebe Shazi Shiva ganz schnell und hat eigentlich nur noch Augen für das "Monster", dass sie ja eigentlich hassen müsste. Wer hätte auch gedacht, dass der Kalif tatsächlich gute Seiten hat? Alles was daraufhin folgt wirkt vollkommen oberflächlich und undurchdacht. Mir fällt vieles zu der Beziehung zwischen Shazi und Chalid ein, aber Tiefgang ist es nicht. Dass Shazi wie alle anderen seiner Ehefrauen nicht direkt am ersten Morgen hingerichtet wird, verdankt sie einem glücklichen Zufall und nicht sich selbst. Dennoch fängt Chalid später an zu schwärmen, dass er sofort wusste, dass sie etwas Besonderes ist und er sich in ihr wiedererkannt hat. Wohl bemerkt nach kaum ein paar Tagen. Es wird somit nicht wirklich klar, was er an ihr so toll findet und wieso er für sie gleich so viel riskiert. Die Sexszene zu Beginn, in der beide gezwungenermaßen (ohne jeglichen Grund) miteinander schlafen macht die Sache dann auch nicht sonderlich besser. Die Auflösung fand ich noch ganz nett und hatte einige schöne Momente. Wer den Prolog aufmerksam gelesen hat, konnte sich sowas in der Art allerdings schon denken.


Es gab mir hier einfach zu wenig Spannung. Die Charaktere entwickelten sich nicht weiter und die Nebencharaktere erfüllten kaum einen Sinn. Der rote Faden war auch nur minimal gesponnen. Meiner Meinung reicht es die ersten 50 und die letzten 50 Seiten zu lesen. Dazwischen passiert nicht wirklich viel, außer einer Aneinanderreihung komischer Zufälle und klassischer Mehr-Glück-Als-Verstand-Szenen. Dabei war so viel Potenzial da. Einfach nur schade.


CHARAKTERE:
Shahrzad al-Haizuran:
(oder "Mrs.Ich-vergesse-sofort-,was-ich-eigentlich-wollte-und-schmachte-den-Kalifen-,der-mich-töten-will-an")


Anfangs wirkt Shazi noch recht draufgängerisch und tough. Man hat das Gefühl einen Charakter kennen zu lernen, der sich nicht so leicht etwas vormachen lässt... doch dann: ein paar Seiten später ist sie das komplette Gegenteil. Was ist denn da passiert? Ihre große Klappe behält sie bei, aber sonderlich hineinversetzen konnte ich mich nur selten in sie. Der Kalif hat ihre Freundin hinrichten lassen und sie will sie rächen - dieser Gedanke wird viel zu schnell zur Nebensache.

<<< SPOILER! >>>
Chalid Ibn al-Rashid:
(oder "Mr.Ich-töte-doch-nicht-mit-Absicht!")


Undurchsichtig soll er wirken. Vielleicht würde das auch klappen, wenn der Prolog nicht bereits alles vernichtet hätte. Das Chalid nicht das Monster ist, für den ihn alle halten dürfte wohl schon nach dem Klappentext irgendwie klar sein. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man aus ihm noch irgendwie mehr gemacht hätte. Man zweifelt keine Sekunde daran, dass die Hinrichtungen gegen seinen Willen geschehen und MEHR dahinter stecken muss. Und tada: Es liegt ein Fluch auf ihm und wenn er nicht jeden Morgen eine Frau hinrichten lässt, wird seine Stadt vernichtet. Den magischen Anteil der Geschichte fand ich gar nicht mal schlecht, aber da mich die Charaktere dermaßen genervt haben, war ich eigentlich nur froh den Buchdeckel endlich schließen zu können. Das Chalid kein Sadist ist wusste man nach den ersten Seiten. Es wäre sehr viel spannender geworden, wenn man damit noch gespielt hätte, sodass man mehr ins Grübeln gekommen wäre was ihn anbelangt.

<<< SPOILER ENDE >>>

Andere Charaktere:
(oder "Füllmittel Deluxe")


Nein, nein und nochmals nein. Den Nebencharakteren will ich mich jetzt wirklich nicht auch noch widmen.

PRO&CONTRA:
+ Tolle Grundidee mit tollem Setting
+ Schreibstil passend zum Setting
- Unlogische Handlungen der Charaktere
- Kein klarer roter Fadend; die Handlung wirkt teilweise zusammengewürfelt
- Oft komische Wortwahl und seltsame Metaphern

DRAMATURGIE:
Spannung: 2/5 Schattenfedern
Action: 2/5 Schattenfedern
Drama: 3/5 Schattenfedern
Romance: 2,5/5 Schattenfedern
Humor: 1/5 Schattenfedern
Anspruch: 2/5 Schattenfedern

WERTUNG:
Cover/Gestaltung: 5/5 Schattenfedern
Charaktere:  2/5 Schattenfedern
Schreibstil: 3,5/5 Schattenfedern
Handlung:  2,5/5 Schattenfedern
Lesespaß: 1,5/5 Schattenfedern

FAZIT: 
Die Rezi ist jetzt doch länger geworden, als sie sollte. Aber mich hat selten ein Buch so aufgeregt wie dieses. Konfuse Charaktere und Handlungen mit wenig Tiefgang und Spannung. Die Geschichte plätschert einfach so dahin und ich hatte öfter das Bedürfnis die Charaktere zu schlagen. Da sind zwei Sterne wohl noch großzügig. Dies wird wohl ein Hype, den ich nicht weiterverfolgen werde.

Kommentare:

  1. Nein! Wirklich? Aber das klang doch so vielversprechend!
    Deine Kritik ist wirklich sehr direkt, aber ich mag das. Lieber offen und ehrlich die negativen Dinge erwähnen, als immer alles hochloben und schwärmen.

    LG
    Anja

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    1. Danke für deinen Kommentar :)

      Ich schreibe eigentlich ungern so schlecht über Bücher, da ich immer abwege, ob es vlt. nur an mir liegt und es einfach nicht meins ist. Schließlich beeinflusst man ja ggf. auch andere mit seiner Meinung und bewegt zum Kauf (oder eben nicht).
      In diesem Fall aber war die Handlung oft so unlogisch, dass ich am Ende fast nur einen Stern geben wollte. Was andere daran fasziniert kann ich nicht nachvollziehen, aber jedem das seine ;)

      GLG,
      Steffi

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