Donnerstag, 23. Juni 2016

Maggie Mitchell "The other girl - Du kannst niemals ganz entkommen" (Rezension)

Titel: The other girl - Du kannst niemals ganz entkommen
Autorin: Maggie Mitchell
Gebundene Ausgabe: 375 Seiten
Verlag: List
Preis (Tachenbuch): 14,99€
Preis (Ebook): 12,99€

 

 

 

KLAPPENTEXT:
»Alle hielten uns für tot. Wir wurden seit fast zwei Monaten vermisst. wir waren zwölf Jahre alt. Was sonst hätten sie denken sollen?«

Lois Als Lois und Carly May in das Auto eines Fremden steigen, fühlt sich zunächst alles wie ein großes Abenteuer an. Endlich gibt ihnen jemand das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Der Mann bringt die beiden in eine abgelegene Waldhütte und lässt sie nicht aus den Augen. Langsam dämmert den Mädchen, dass noch etwas Schreckliches geschehen wird. Zwei Jahrzehnte später: Lois ist Literaturprofessorin und Autorin. Carly May schlägt sich als erfolglose Schauspielerin durch. Ein Drehbuch, das ihre Geschichte erzählt, bringt sie wieder zusammen. Ihre Geschichte ist noch nicht vorbei.

MEINE MEINUNG: 
Das Cover ist ein echter Eyecatcher, doch dies war nicht der Grund warum ich zu "The other Girl" gegriffen habe. Ausschlaggebend war der ungewöhnliche Klappentext, der nach einem spannenden und nervenzerreißenden Psycho-Thriller klang. Allerdings merkt man beim Lesen recht schnell, dass hier eine ganz andere Richtung eingeschlagen wird. Aber dazu gleich mehr.
Obgleich die Perspektiven kapitelweise zwischen Lois und Carly/Chloe wechseln liegt der Schwerpunkt hierbei auf Lois. Lois ist Schriftstellerin, hat die Geschehnisse an ihre damalige Entführung in Buchform verarbeitet und wartet nun auf die Verfilmung. Einen Teil ihres Romans "Der Wald so still" kann man hier im zweiten Viertel des Buches nachlesen. Dies fand ich eine recht interessante und originelle Idee. Allerdings besteht hier der Nachteil darin, dass die Geschehnisse in Lois' Roman verändert worden sind. Demnach erfährt man eigentlich stets nur ansatzweise, was damals während der Entführung passiert ist. Angeblich sei nichts wirklich Schlimmes passiert. In "Der Wald so still" wirkt Zed, der Entführer sogar eher wie ein netter Onkel, der einfach einen schönen Urlaub mit seinen Nichten im Wald verbringt. Die Wahrheit an jene Zeit wird auch nur angerissen. Carly und Lois überlegen öfter, was Zed dazu bewegt haben könnte seine Tat zu vollbringen und doch findet der Roman keine klare Antwort. Immer deutlicher jedoch wird, dass sie mit dem Entführer stark sympatisierten und mehr oder weniger bis heute Gefühle für ihn hegen. Klarer Fall von Stockholm-Syndrom.
Mir gefiel die ungewöhnliche Sicht auf den Entführungsfall, bei dem der Täter sogar öfter fast schon selbst wie ein Opfer dargestellt wird. Es war unüblich, aber gerade dadurch interessant. Zudem mochte ich Carly und Lois. Allerdings nicht in dem Sinne, dass ich sie beide sonderlich sympathisch fand. Auch fand ich es gut, dass die Autorin trotz des vielen Dramas nichts überdramatisiert hat. Die Spannung allerdings blieb hier etwas auf der Strecke und die psychoanalytischen Ansätze blieben nur oberflächlich. Schade.


PRO&CONTRA:
+ unüblicher/andersartiger Buchaufbau
+ keine typischen Klischees
+ interessante und unterschiedliche, wenn auch weniger sympathische Charaktere
+ unübliche Entführungsgeschichte
- keine richtige Storyline, eher eine psychologische Fallstudie
- kein Psycho-Thriller, auch wenn die Aufmachung dies vermuten lässt
- trotz interessanter Aspekte im Bezug auf die Psyche des Entführers und der Kinder fehlte noch etwas Tiefe

DRAMATURGIE:
(Die Dramaturgie wird nur bedingt in die endgültige Wertung aufgenommen. Sie soll euch Lesern nur als Hilfe dienen damit ihr wisst, was ihr (nicht) zu erwarten habt. Fehlende Romance oder Action muss also nichts Schlechtes sein ;) )
Spannung: 2/5 Schattenfedern
Action: 1/5 Schattenfedern
Drama: 3/5 Schattenfedern
Romance: 1/5 Schattenfedern
Humor: 1/5 Schattenfedern
Anspruch: 3/5 Schattenfedern

WERTUNG:
Cover/Gestaltung: 5/5 Schattenfedern
Charaktere:  4/5 Schattenfedern
Schreibstil: 4/5 Schattenfedern
Handlung:  3/5 Schattenfedern
Lesespaß: 3/5 Schattenfedern

FAZIT: 
Kein Thriller. Die Story bleibt sehr seicht. Es passiert eher wenig und trotzdem fesselt das Buch auf gewisse Weise. Obwohl die Atmosphäre zwar immer düsterer wird, bleibt am Ende zu viel offen. Wäre das Ende schlüssiger gewesen, hätte es von mir sicher noch eine bessere Wertung gegeben. So sind es nur drei Sterne.



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