Donnerstag, 15. Dezember 2016

Daniela Winterfeld "Der geheime Name" (Buch-Rezension)



Titel:
Der geheime Name
Autor/in:
Daniela Winterfeld
Verlag:
Knaur
Veröffentlichung:
2013
Seiten:
538 S.
Preis:
TB: 12,99 € | Ebook: 10,99 €



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INHALT:
Fina ist mit ihrer Mutter auf ständiger Flucht vor ihrem angeblich gewalttätigen Vater. So konnte Fina sich nie irgendwo richtig einfügen oder Freunde finden. Wütend auf ihre Mum flieht sie zu ihrer Großmutter in die Lüneburger Heide. Ein fataler Fehler, denn im Wald lauert ein düsteres Geheimnis, das Fina und ihre Familie in große Gefahr bringen könnte. Schon bald wird Fina heraus finden, welches Kind Rumpelstilzchen damals von der einstigen Bauerstochter verlangte.

MEINUNG:
Hilfe, was tue ich mich schwer damit diesen Roman zu bewerten. Einerseits fand ich einge Ansätze sehr spannend und originell umgesetzt. Andererseits empfand ich viele Stellen als ziemlich trashig und abgedroschen. An sich war ich nie ein großer Fan des Märchens Rumpelstilzchen, aber nachdem Serien wie Once Upon a Time gezeigt haben, dass die Hauptfigur der Geschichte doch auch sehr facettenreich und spannend dargestellt werden kann, war ich gespannt was mich hier erwarten würde. Zu Beginn fängt alles auch noch sehr vielversprechend an. Alles wirkt sehr schaurig, undurchsichtig und mysteriös und es dauert auch noch eine Weile bis sich erste Puzzleteile des Gesamtwerkes logisch zusammenfügen. Fina lernt Mora kennen, der sie zugleich etwas ängstigt, aber auch anzieht. Ab hier wird es auch sogleich ziemlich seltsam. Viel zu schnell schenkt Fina Mora Vertrauen, obwohl er alles andere als ein einladendes Gemüt hat. Dies ist allerdings auch nicht sonderlich verwunderlich. Schließlich wuchs er bei Rumpelstilzchen im Wald auf und musste von Geburt an seine Folterungen über sich ergehen lassen. Er spricht demnach auch Finas' Sprache nicht richtig bzw. beherrscht nur gebrochene Wortfetzen. An sich fand ich den Charakter von Mora spannend. Nur die Liebesgeschichte, die sich schließlich zwischen den beiden entwickelt wirkte auf mich sehr unglaubwürdig. Insgesamt verhält sich Fina oft nicht einfach nur weltfremd, sie wirkt in ihrem Handeln nicht einmal typisch menschlich. Ihre Ängste und Sorgen sind dafür einfach zu merkwürdig dargestellt. Wer würde schon einem wildfremden Mann einfach so in einen Unterschlupf im Wald folgen? Zwar hat auch sie einige Befürchtungen, dass Mora schlechte Absichten hegen könnte. Allerdings läuft sie trotzdem ohne einen logischen Gedanken an Flucht oder Selbstschutz hinter ihm her. Sie findet es sogar spannend, ist neugierig. Letzteres ist zwar nachvollziehbar. Nur ganz ehrlich? Ich würde einem verwilderten Typ nicht ins Ungewisse folgen!
Natürlich lauert auch Rumpelstilzchen dort, der derweil ganz andere Pläne mit Fiona hat. Ab hier wird es sehr grotesk. Die Darstellung dieser Märchenfigur war zwar teilweise durchaus interessant, aber auch ziemlich krank. Zwar ist es nachvollziehbar, warum Rumpelstilzchen derart boshaft und zornig geworden ist. Allerdings fand ich dies derart überzogen, sodass ich mich einfach nicht damit anfreunden konnte. Man hätte aus dieser Idee so viel mehr machen können. Stattdessen wirkt diese Version wie ein horrormäßiger Mix aus Gargamel und Gollum, vielleicht mit einem Hauch Tinkerbell. Ihr seht schon, wirklich ernst nehmen konnte ich das alles nicht wirklich. Mora, der ewig unter Rumpelstilzchen leiden musste, tat mir zwar leid, wirkte jedoch auch nicht immer sehr logisch im Handeln. Trotzdem war er noch der am besten ausgearbeitetete Charakter. Die Auflösung dieses ganzen Horror-Märchens konnte mich dann auch nur minder zufrieden stellen. Dabei waren hier viele tolle Ansätze und auch der Schreibstil gut und flüssig zu lesen. Trotzdem wollte der Funke einfach nicht überspringen. Nein, hier passte einfach alles nicht so zusammen wie ich es mir gewünscht hätte. Schade. Einziger Trost war, dass sich der Roman trotzdem recht schnell lesen ließ und nur wenige Längen hatte. Empfehlen kann ich die Geschichte nicht wirklich. Wer dennoch mal rein lesen will, sollte nicht zu schwache Nerven haben. Obwohl es sich hier um ein Jugendbuch handelt, kommt der Horror nicht zu kurz.

PRO & CONTRA:
+ mysteriöse, schaurige Atmosphäre, die einem das Buch zu Beginn verschlingen lässt
+ viele offene Fragen zum Anfang, denen man rätselratend auf den Grund gehen will
+ interessante Grundideen
- unglaubwürdige Charaktere und ein lächerlich wirkender Rumpelstilchen
- groteske Umsetzung
- irgendwann ließ mich das Geschehen nur noch kalt, da ich den Bezug zu allen Figuren verloren hatte

DRAMARTUGIE:
(Die Dramaturgie wird nur bedingt in die endgültige Wertung aufgenommen. Sie soll euch Lesern nur als Hilfe dienen damit ihr wisst, was ihr (nicht) zu erwarten habt. Fehlende Romance oder Action muss also nichts Schlechtes sein ;) )
Spannung: 3/5 Schattenfedern
Action: 2/5 Schattenfedern
Drama: 4/5 Schattenfedern
Horror: 4/5 Schattenfedern
Romance: 4/5 Schattenfedern
Humor: 2/5 Schattenfedern
Anspruch: 2/5 Schattenfedern

WERTUNG:
Cover/Gestaltung: 5/5 Schattenfedern
Charaktere:  2/5 Schattenfedern
Schreibstil: 4/5 Schattenfedern
Handlung:  2/5 Schattenfedern
Lesespaß: 3/5 Schattenfedern

FAZIT:
Tarzan und Jane im Horrorwald - so hätte man es ohne Probleme auch nennen können. Abstruse Umsetzung des Märchen-Klassikers Rumpelstilzchen mit Charakteren, die völlig wirr handeln. Trotzdem interessante Ansätze und Gedanken, die meiner Meinung allerdings überwiegend irritierend umgesetzt worden sind.

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