Samstag, 24. Dezember 2016

Gestrandete Weihnachten (Kurzgeschichte)




Weihnachten ist eine schöne und besinnliche Zeit. Eigentlich. Nur leider lässt man sich im Dezember auch gerne mal von dem ganzen Streß, der von der Welt um einen herum ausgeht mitreißen. Man verfällt in regelrechte Hektik. Dabei war dies doch nie der wahre Sinn von Weihnachten, oder doch? Wir haben uns gemeinsam ein paar Gedanken dazu gemacht, was zu dieser Zeit wirlich wichtig ist. Entstanden ist diese kleine Geschichte, in der sich ein paar Menschen auf die wahren Werte von Weihnachten besinnen. Viel Spaß dabei!




Gestrandete Weihnachten: 

Genre: Abenteuer, Familiengeschichte, Komödie
FSK: ab 6 empfohlen


John Dawson kniete im weißen Sand. Sein Blick ging ins Leere, schien zu verzweifeln. Er hatte sich alles so schön vorgestellt. Weihnachten in New York. Das war es, was er sich sehnsüchtig gewünscht hatte. Am 17. Dezember sollte der Flug von Sydney aus starten. Seine Frau und seine Kinder waren mit voll gepackten Koffern und riesiger Vorfreude in den Flieger gestiegen. Auf halber Strecke wurde diese Freude jedoch vorzeitig gebremst. Heftige Turbulenzen, hatten den Flug erschwert, den Flieger zum Abstürzen gebracht.
Es war nahezu ein Wunder, dass sie alle überlebt hatten.
Jetzt waren sie hier, gestrandet auf irgendeiner Insel, wartend auf ein Wunder.
Nur wenige andere Menschen, außer der Familie Dawson hatten das Unglück ebenfalls überlebt und leisteten ihnen hier Gesellschaft. Die Stimmung war betrübt. Keiner konnte vorhersehen, ob man sie hier auf diesem kleinen Fleckchen Erde, in mitten des Pazifik finden würde. Einige klammerten sich an ihren letzten Funken Hoffnung, der ihnen noch Trost spendete, mit dem sehnlichsten Wunsch noch vor Weihnachten von hier fort zu kommen. Andere sahen der Zukunft hingegen düster und beschwerend entgegen.

Schwer seufzend stand John vom Boden auf und lief am Ufer des Meeres entlang. Mittlerweile waren sie fast eine Woche hier und nur noch einen Tag vom heiligen Abend entfernt.
In der Ferne erblickte John seinen Sohn Cedric, der auf einem Felsen hockte.
„Hey, Dad“, begrüßte er ihn und heftete seinen Blick weiterhin auf das Meer.
John nahm neben ihm Platz. „Worüber denkst du gerade nach?“
„Ich weiß es nicht. Über alles und nichts.“ Einige Sekunden der Stille traten ein. „Glaubst du wir werden überhaupt irgendwann von hier weg kommen?“
Ein Schulterzucken seinerseits folgte.
„Ich wünschte ich hätte dafür eine Antwort, aber das kann niemand wissen.“
Cedric nickte.
„Weißt du was? Ich habe es satt. Alle laufen grübelnd auf dieser Insel umher, denken darüber nach, was die Zukunft bringt, verzweifeln und blasen Trübsal. Ich habe da keine Lust mehr drauf. Wirklich nicht. Warum machen wir nicht einfach das Beste aus dieser Situation? Wir sind hier zwar irgendwo am Ende der Welt, aber deswegen müssen wir nicht gleich den Kopf in den Sand stecken.“ Cedric strich sein halblanges Haar zur Seite und blickte zu seinem Vater. „Wir sind hier nicht am verhungern oder am verdursten, selbst wenn es hier nicht viel gibt. Wir kommen einigermaßen zurecht.“
Ein Lächeln huschte über Johns’ Gesicht und er drückte seinen Sohn voller Stolz an sich.
„Du hast Recht. Und weißt du was?“
Cedric sah auf, blickte in die Augen seines Vaters. „Was denn, Dad?“
„Morgen ist Weihnachten und wir werden es feiern. Ganz egal, ob wir morgen noch immer hier sind oder nicht. Wir lassen uns dieses Fest nicht vermiesen. Um nichts in der Welt.“
„Das ist eine super Idee. Ich hoffe nur die anderen machen alle mit. Wenn wir alles zusammen organisieren, wird dies bestimmt trotzdem ein unvergessliches Fest werden.“
Das Gesicht des Jungen strahlte und sein Dad fragte sich inständig, ob dieser ernsthaft darüber betrübt war, dass Geschenke dieses Jahr womöglich nicht drin waren. Sie würden aus den Dingen, die hier waren etwas basteln müssen, um sich gegenseitig zu beschenken. Eine andere Möglichkeit gab es diesbezüglich nicht. Und leider war John nicht immer einer der einfallsreichsten Sorte Mensch, sodass es ihm derzeit ein unlösbares Rätsel zu sein schien, aus Beeren und Blättern mit Sand ein Geschenk zu basteln.

Kurzerhand weihte John seine Familie und alle anderen Gestrandeten in sein Vorhaben ein. Nur wenige waren von dieser Idee begeistert. Eeinige schienen jedoch allmählich von einem Gefühl erfasst zu werden, dass ihnen die Trauer vom Gesicht wusch. Sie fanden einen Grund nicht ständig über ihre Misslage nachzudenken. Eine willkommene Abwechslung. Alle Beteiligten steigerten sich so sehr in die Planung und Organisation des Weihnachtsfests, sodass sie nahezu vergaßen, worüber sie sich eigentlich die ganze Zeit Sorgen gemacht hatten.
In einem ruhigen Moment zupfte Katie ihren Vater am Ärmel. Sie war mit ihren 5 Jahren sein jüngstes Kind.
„Daddy?“
„Ja, mein Spatz“, entgegnete John mit einem Strahlen auf dem Gesicht.
„Ähm, ja… Ich freue mich, dass wir trotz allem Weihnachten feiern. Ich frage mich nur… Nun ja… wie soll der Weihnachtsmann zu uns finden? Er weiß doch nicht, dass wir hier sind. Außerdem haben wir gar keinen Schornstein, durch den er rutschen kann. Selbst wenn er kommen sollte, haben wir nicht einmal ein paar Kekse, um ihn zu danken“, meinte Katie etwas zerknirscht.
„Hör mir gut zu, Spatz“, fing er an und hockte sich auf den Boden, sodass er in Augenhöhe zu seiner Tochter sprechen konnte. „Der Weihnachtsmann ist sehr clever und weise. Ich bin sicher, dass er uns finden wird. Um den Kamin musst du dir keine Sorgen machen. Weißt du was? Wir werden uns hier ein kleines Häuschen mit Schornstein bauen. Wenn der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten durch die Lüfte eilt, wird er ihn sicher sehen.“
Katie fing an zu Lächeln und umarmte ihren Papa.
„Danke, Daddy. Ich hoffe du hast Recht und er wird zu uns finden.“
„Ja, es wäre ein Weihnachtswunder. Ein echtes Weihnachtswunder“, sprach er beinahe im Flüsterton. Warum musste er sich immer in solche Situationen bringen? Ein Häuschen bauen auf einer Insel mit einem Haufen von Nichts? Klasse! Aber wie hätte er der kleinen Katie diese Hoffnung verwehren können? Diese großen Kulleraugen hatten ihn zum Schmelzen gebracht. So war es immer, so war es jetzt, so würde es immer sein.
„Wann fangen wir an das Haus zu bauen?“, sprach das kleine Mädchen auf einmal ganz euphorisch. „Ich will helfen.“ Ohje, dachte er sich still.

Wenig später machten sich einige Gestrandete auf die Suche nach Holzresten, Ästen, Palmenblättern und allem, was sich für den Bau eines kleinen Häuschens eignete. Kurzerhand entschieden sie sich ein Baumhaus hoch oben in einem der tropischen Bäume zu bauen. Dieses Vorhaben schien letztlich auch dem letzten Gestrandeten so etwas wie ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Doch das Vergnügen wandelte sich schnell in erbosten Ärger. Jeder wollte nun seinen Willen durchsetzen und das Kommando dieses Bauvorhabens an sich reißen.
John hatte keine Lust mehr auf dieses Gezanke und zog sich für einen Moment zurück an den Strand.
„Das wird doch niemals fertig! Wir haben so wenig Zeit und diese Idioten streiten sich darum, welche Blätter das schönere Grün haben! Die sind nicht ganz dicht im Kopf!“, fauchte er und verstummte sogleich. „Meine Kleine, ich darf sie nicht enttäuschen“, gab er kurz darauf leise, beinahe flüsternd von sich. So saß er eine Weile am Strand und überlegte, wie er das Problem lösen könnte und schlief ein.

Währenddessen hatte sich die kleine Katie vor der versammelten Mannschaft aufgebaut.
„Ihr seid gemein. Wollt ihr denn nicht, dass der Weihnachtsmann zu uns kommt? Mögt ihr keine Kinder? Ich bin so traurig, weil wenn wir doch keinen Schornstein haben, kann der Weihnachtsmann doch gar nicht hier her finden.“ Ein Schluchzen folgte dem anderen. Die Gestrandeten waren sprachlos und hielten für einen Moment inne. Immer mehr Tränen benetzten das Gesicht der Kleinen.
So kam es, wie es kommen musste. Es war zwar kein einfaches Unterfangen, doch mit vereinten Kräften schafften sie es schneller, als sie es für möglich gehalten hätten.
Als das Baumhaus fertig war, stellten sie darin noch eine Palme auf, die sie mit Muscheln schmückten. Ein Tannenbaum mit Christbaumkugeln war hier nirgendwo aufzufinden.
In Koffern, die angespült worden waren, fanden sie ebenfalls einige schöne und lustige Sachen, die sie an die Palme hängen konnten. Des Weiteren fanden sie hier eine Menge Sachen, aus denen sie Geschenke für ihre Liebsten basteln konnten. Weihnachten sollte doch nicht nur ein Fest sein, an dem ausschließlich der Weihnachtsmann die Geschenke brachte. So fanden sie Ketten, ein wenig Kleidung und andere Dinge, die sie in Palmenblätter einwickelten.

Am 24. Dezember war es endlich soweit. Die Gestrandeten hatten ihr Bestes getan, um alles für das Fest vorzubereiten. Aus Früchten gestalteten sie ein buntes Buffet. Als Getränk gab es Kokosnussmilch. Alles in allem hatten sie nicht viel. Vermutlich waren sie gerade deshalb so stolz, als sie sahen, was sie in so kurzer Zeit mit den wenigen Mitteln auf die Beine gestellt hatten.
Um in den Abendstunden nicht im Dunkeln sitzen zu müssen, hatten sie überall Fackeln verteilt. Die Geschenke hatten Sie alle unter der geschmückten Palme verteilt und ohne es zu merken, vergaß ein jeder, dass sie dort lagen. Sie alle redeten, lachten und genossen einfach die Zeit, die sie gemeinsam teilten.

Plötzlich hörten sie ein lautes Klingeln, gefolgt von einem Rascheln. Alle Beteiligten blickten hektisch umher.
„Was war das!?“, stieß Cedric hervor und schien ebenso verwirrt wie alle anderen zu sein.
Sekunden später plumpste ein kleiner, dicklicher Mann mit rotem Samtmantel durch den selbstgebauten Schornstein des Baumhauses. Erstaunen zeigte sich in den Gesichtern aller.
„Hohohoho!“, stieß der Weihnachtsmann aus und lachte. „Fröhliche Weihnachten allerseits!“
„Oh, Weihnachtsmann! Ich wusste, dass du uns finden würdest!“, stieß Katie hervor und rannte zu ihm, um ihn zu umarmen.
Kurz darauf holte der Neuankömmling einen riesigen Jutesack von seinem Schlitten.
„Dann wollen wir doch mal sehen, was ihr euch alle für dieses Jahr gewünscht habt.“
Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, griff der Weihnachtsmann in den Sack und legte kurzum die Stirn in Falten.
Noch immer irritiert, schaute er hinein und stellte verwundert fest, dass nichts darin war.
„Ich verstehe das nicht. Mein Sack füllt sich immer wieder von alleine mit all den Geschenken, die sich die Kinder, die ich besuche wünschen. Hier ist aber nichts drin.“
Stirnrunzelnd holte er ein goldenes Buch aus seinem Mantel hervor.
„Katie Dawson“, las er laut vor. „Du hast dir ein Puppenhaus gewünscht, doch nun ist diese Notiz durchgestrichen.“
„Ja, das stimmt. Das habe ich mir gewünscht, aber jetzt habe ich etwas viel Besseres. Ein riesiges Baumhaus, in das nicht nur meine Puppen passen, sondern die Menschen, die mir am liebsten sind.“
Zufrieden blätterte der Weihnachtsmann weiter.
„Cedric Dawson. Du hast dir ein Piraten-Action-Spiel für den Computer gewünscht. Auch diese Notiz hat sich von alleine wieder durchgestrichen.“
Cedric grinste. „Ja, bis vor ein paar Tagen habe ich mir nichts sehnlicher als das gewünscht, aber nun habe ich hier mein ganz eigenes Abenteuer. Wozu brauche ich da noch ein Computerspiel?“
Der Weihnachtsmann lachte und blätterte weiter.
„Man sagt mir zwar nach, ich sei nur für die Kinder zuständig, aber mein Buch hält durchaus auch die Wünsche der Erwachsenen fest. Wo habe ich denn John Dawson?“
Ehe der Weihnachtsmann den Eintrag finden konnte, ergriff John das Wort.
„Da müssen Sie gar nicht nach suchen. Auch mein Wunsch wurde schon erfüllt. Ich habe mir das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten gewünscht.“
In den Gesichtern der anderen konnte man ablesen, dass sie ähnlich wie er darüber dachten.
Lachend verstaute der Weihnachtsmann sein Buch. „Es sieht so aus, als würde ich hier nicht wirklich gebraucht werden.“
Daraufhin ergriff Johns’ Ehefrau Alyssa das Wort.
„Ja, es stimmt. Dies ist das schönste Weihnachtsfest, das ich je erlebt habe. Zum ersten Mal denken wir darüber nach, was Weihnachten für uns wirklich bedeuten sollte.“ Sie legte den Mund schief. „Nur würde ich nach diesem wunderschönen Abend auch gerne wieder nach Hause.“
Alle Versammelten lachten im Chor.
„Der Wunsch sei dir gewährt. Morgen früh wird man euch finden. Darüber solltet ihr euch keine Sorgen mehr machen.“
Daraufhin verschwand der Weihnachtsmann mit einem immer breiter werdenden Grinsen. Diese Menschen hatten den wahren Grund von Weihnachten erkannt. Geschenke oder der Geldwert dieser waren nichts im Vergleich dazu, Weihnachten mit Menschen zu verbringen, die einander liebten.
Als der Weihnachtsmann mit dem Schlitten davon flog, beobachteten die Gestrandeten wie dieser wie eine Sternschnuppe am Firmament des Nachthimmels verschwand.

Wie versprochen landeten am nächsten Tag einige Helikopter auf der Insel.
John setzte sich zusammen mit Katie, Cedric und Alyssa in einen davon.
„Es tut mir wirklich Leid, was Ihnen zugestoßen ist. So etwas ausgerechnet an Weihnachten. Dies war bestimmt das schrecklichste Weihnachtsfest, das sie je erlebt haben“, meldete sich der Pilot zu Wort.
John musste schmunzeln. „Wenn Sie nur wüssten…“



Hat euch die Geschichte gefallen? Was macht Weihnachten für euch aus? Erlegt ihr ebenfalls jedes Jahr der Hektik und dem Shopping-Wahnsinn? Oder bleibt ihr eher kühl und gelassen an den Feiertagen? Schreibts' in die Kommentare :)
Wir wünschen euch fröhliche Weihnachten und erholsame Feiertage!

Sky Schattenfeder
alias Nadine & Steffi


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