Donnerstag, 12. Januar 2017

Matt Haig "Echo Boy" (Buch-Rezension)


Titel:
Echo Boy
Autor/in:
Matt Haig
Verlag:
dtv
Veröffentlichung:
2016
Seiten:
400 S.
Preis:
TB: 11,95 € | Ebook: 9,99 €



_________________________________________________
 
INHALT:
Im Jahr 2115 wird das Leben von Technik dominiert. In nahezu jedem Haushalt oder sogar an Arbeitsplätzen werden sogenannte Echos (menschliche Roboter) zur Verrichtung alltäglicher Aufgaben eingesetzt. Audrey Castles' Vater, der eigentlich ein Verächter dieser Technologie ist, ist nach einem Unfall auf einen Echo angewiesen, der fortan auch seine Tochter beim Lernen unterstützt. Sein Argwohn gegenüber den Echos' bewahrheitet sich, als sein Echo ihn und seine Frau tötet. Ab sofort ist Audrey auf sich alleine gestellt und kommt einer fiesen Verschwörung auf die Spur.

MEINUNG:
Wir beschreiben den Inhalt immer grob mit eigenen Worten und orientieren uns dabei nur schwach am Klappentext, der ja ohnehin eher ein Werbetext ist. Bei diesem Buch wird im Klappentext eine Liebesgeschichte angedeutet und auch das Cover ist darauf ausgerichtet. Allerdings ist dies nur eine mehr oder weniger nebensächliche Handlung. Wer dieses Buch demnach aufgrund einer erwarteten Liebesgeschichte überlegt zu kaufen, sollte dies nochmal überdenken. Vielleicht hilft euch ja diese Reaktion zur Klarheit.

Zu allererst muss ich sagen, dass ich mir dieses Buch nicht geholt hätte, wenn Matt Haig nicht der Autor wäre. Der Roman klingt zwar zunächst interessant, aber auch nicht sonderlich innovativ. Roboter in der Zukunft, die zur Bedrohung werden und eine übertechnisierte Welt - das alles hatten wir schon öfter. Interessant und anders ist hier jedoch die Herangehensweise bei der Entwicklung der Echos. Das Beste vom Menschen und das Beste aus der Technik soll hier miteinander verbunden werden. Echos besitzen Organe, eine fleischliche Hülle und gleichen einem echten Menschen nahezu komplett. Sie brauchen allerdings keinen Schlaf, nur eine kurze Aufladezeit von zwei Stunden und Zuckerwasser, dass sie am Leben und aktiv hält. Gefühle haben sie nicht. Sie sind programmiert um zu gehorchen. Dementprechend herablassend wird auch mit ihnen teilweise umgegangen. Sie sind nur Produkte. Allerdings ist nicht jeder Echo gleich. Jeder wird speziell nach bestimmten Schwerpunkten hergestellt. Während einige speziell für die Buchhaltung produziert werden, gibt es wieder andere Modelle für Pflegeberufe usw.

Nach dem Tod von Audreys' Eltern zieht sie zu ihrem Onkel, der den führenden Konzern zur Entwicklung und Herstellung von Echos führt. Hier fühlt Audrey sich zu Beginn durch die ständige Begegnung mit Echos unwohl nach den vergangenen Geschehnissen. Ihr Onkel kümmert sich jedoch gut um sie und gibt ihr Zeit alles zu verarbeiten. Einer der Echos scheint sie jedoch nicht in Ruhe zu lassen. Er wird Daniel genannt und rettet Audrey schon bald das Leben. Er scheint fehlerhaft, anders als die anderen Echos und Audrey wird schon bald herausfinden wieso.

Mehr möchte ich zum Inhalt auch nicht sagen. Matt Haig spielt hier sehr gut mit Werten und Gefühlen, die einen Menschen ausmachen oder auch nicht ausmachen. Ab wann verhält sich ein Mensch mehr wie eine Maschine oder eine Maschine wie ein Mensch? Was ist Menschlichkeit? Welche positiven, aber auch negativen Aspekte verbinden sich in diesem Wort? Dies wird sehr philosphisch dargestellt, aber auch dramatisch inszeniert. Ich fand es auch gut, dass hier zu der typischen Darstellung dieser Thematik auch gezeigt wurde wie Menschen eine Gefahr für "Roboter" werden können und nicht nur umgekehrt. Was macht es aus einem Menschen, wenn er jederzeit menschenähnliche Roboter um sich herum hat, die nur ihrem Befehl gehorchen? Einiges blieb nur angerissen und wurde nicht tiefer beleuchtet. Dies liegt aber überwiegend wohl daran, dass dies hier ein Jugendbuch ist und manche Aspekte zu explizit oder verstörend für Jugendliche oder auch Kinder wären. Andeutungen genügen dort und reichen auch sich noch eigene Gedanken selber dazu zu machen.

Die angekündigte Liebesgeschichte beginnt erst im letzten Drittel des Buches und hat wenig Gewicht. Man hätte diese auch getrost weg lassen können und es hätte mich nicht gestört. Auch wirkt diese leider etwas unausgereift und plötzlich. Ich hatte das Gefühl, dass diese etwas deplatziert war, auch wenn mir die Idee an sich gefiel. Um dieser Geschichte jedoch mehr Raum zu geben, hätte das Buch locker 100 Seiten mehr gebraucht.

Dies soll aber nicht weiter stören. Die Welt, die Haig geschaffen hat ist gut inszeniert und man kann sich alles gut vorstellen. Die Macht von Tecknik-Konzernen liegt nahezu über denen der Politiker. Macht wird vor allem durch Geld erreicht. Eine düstere Zukunft, die durch Korruption und manipulierter Technik besteht. Keine schöne Vorstellung. Leider ist die Story allerdings für mich speziell sehr vorhersehbar gewesen. Ich ahnte schnell worauf das alles hinaus läuft. Dies brachte der Geschichte trotzdem keinen Abbruch. Gute 4 Sterne. Nicht der beste Roman von Matt Haig, aber keineswegs schlecht.

PRO & CONTRA:
+ tolles Worldbuilding einer zugleich aufregenden, wie verstörenden Zukunftsvision
+ viele philospische Gedanken wie man es von Matt Haig gewohnt ist
+ wunderschöner Schreibstil
- leider ist der Verlauf der Geschichte zu vorhersehbar

DRAMARTUGIE:
(Die Dramaturgie wird nur bedingt in die endgültige Wertung aufgenommen. Sie soll euch Lesern nur als Hilfe dienen damit ihr wisst, was ihr (nicht) zu erwarten habt. Fehlende Romance oder Action muss also nichts Schlechtes sein ;) )
Spannung: 5/5 Schattenfedern
Action: 4/5 Schattenfedern
Drama: 4/5 Schattenfedern
Romance: 3/5 Schattenfedern
Humor: 2/5 Schattenfedern
Anspruch: 3/5 Schattenfedern

WERTUNG:
Cover/Gestaltung: 4/5 Schattenfedern
Charaktere:  3/5 Schattenfedern
Schreibstil: 5/5 Schattenfedern
Handlung:  4/5 Schattenfedern
Lesespaß: 4/5 Schattenfedern

FAZIT:
Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Eine altbekannte Thematik bekommt hier einen neuen Schliff. Weniger Liebesgeschichte, dafür aber mehr Science-Fiction-Thriller. Durch die vielen angeschnittenen Thematiken eignet sich das Buch meiner Meinung auch sehr gut für Diskussionen in der Schule.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen